Seitensprung Bericht von Jens, 34J., aus Köln

Über Jahre hinweg sind Seitensprünge stets Thema meiner Nachtträume gewesen. Anfangs nur sehr wenig und beinahe unbemerkt. Ich wachte dann morgens lediglich mit den Gedanken an eine andere Frau auf, während meine damalige Freundin noch neben mir schlief. Diesen Träumen maß ich keine größere Bedeutung zu. Ein schlechtes Gewissen hatte ich ebenfalls nicht. Denn Gedanken an andere Frauen schließen die Treue zur eigenen Partnerin ja nicht aus.

Von der damaligen Freundin trennte ich mich jedoch und war anschließend erneut frisch verliebt. Und wieder: Nach einigen Wochen mischten sich fremde Affären in meine Träume und wurden umso intensiver, je unbefriedigender meine Partnerschaft war. So leicht ich das anfangs noch nahm, so wenig gelang es mir nun, das einfach wegzuwischen und so zu tun, als ob nichts wäre. Denn auch in meine Tagträume flossen die Gedanken, die schnell zu Wünschen und Sehnsüchten wurden, alsbald ein.

Das Problem war, dass unser Freundeskreis sehr eng ist und jeder jeden kennt. Mit wem will man sich da über solche Themen austauschen? Was der eine weiß, wissen sehr schnell alle – und somit eben auch meine Freundin, die das natürlich nicht erfahren durfte. Trennen wollte ich mich von ihr nicht. Sie war noch immer einzigartig, auch wenn einiges zwischen uns nicht mehr so lief wie zum Beginn der Beziehung. Doch Aufgeben stand irgendwie nie zur Debatte.

Mein Helfer in der Not war das Internet. Hier fand ich viele Leute, die Erfahrungen beim Fremdgehen gemacht und den Weg eines Seitensprunges – geplant oder spontan – gegangen waren. Bei einigen der Berichte fand ich mich wieder, bei anderen nicht. Manches las ich mit Wohlwollen, anderes war mir nach wenigen Sätzen bereits verhasst. Einen ultimativen Ratgeber oder etwas, was alle meine Fragen hätte beantworten können, fand ich jedoch nicht.

Ein Typ schrieb sinngemäß, dass er einfach irgendwann seine Erfahrungen machen musste. Er beschrieb das mit einem offenen Tor, vor dem man ewig lange steht und bei dem man sich fragt, was wohl dahinter alles stecken möge. Manchmal muss man einfach durchgehen, schrieb er. Wenn es einem nicht gefällt, geht man zurück und behält das Geheimnis für sich oder man beichtet seine Sünden. Wenn es einem „da drüben“ aber gefällt, ist das umso besser.
 

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Partnerportale im Internet

Zunächst schmökerte ich Partnerannoncen in den Zeitungen und besuchte die einschlägigen Portale im Internet. Die Gebiete rund um Köln, Düsseldorf bis Bonn, Duisburg, Essen und Dortmund waren per Auto schnell zu bewältigen. In diesem Bereich suchte ich mehr oder minder aktiv. Alles so, dass meine Partnerin es nicht merken konnte. Und alles, ohne Freunde oder Kollegen einzuweihen.

Anfangs ergab sich kein Seitensprung. Vielleicht suchte ich aber auch falsch oder ich war zu wählerisch. Klar, normalerweise spricht man auf einer Party jemanden an. Aber so über Zeitungsannoncen und Internetseiten war das erst mal schwierig für mich. Ungewohnt. Doch merkte ich schnell, dass die Internetwelt voll mit Leuten wie mir ist: Viele Personen suchen Partnerschaften für kürzere oder längere Zeiträume und jegliche Art an Affären.

Doch ergaben sich recht bald die ersten Kontakte. Mit zwei Frauen chattete ich täglich, teilweise parallel. Beide wussten nichts von einander. Jedoch stellte sich bei der einen bald heraus, dass sie wohl mehrere Männer gleichzeitig hat oder hatte. Das gefiel mir nicht, weil ich nicht einer von vielen sein will. Die andere Frau aber hatte Charme und vor allem Witz. Das mochte ich. Wir machten den ersten lockeren Treffpunkt aus und standen uns Tage später in einem kleinen Dortmunder Café gegenüber.

Um ehrlich zu sein: Zu erzählen hatten wir uns nichts. Wir nippten an unserem Kaffee und versuchten krampfhaft, das Gespräch am Laufen zu halten. Allerdings war der Moment auch sehr speziell und nur schwer zu erklären: Man trifft sich mit einer anderen Frau, während die eigene Partnerin gerade zuhause sitzt und auf einen wartet oder das Abendbrot vorbereitet. Das ist nichts, was man mal eben ignorieren kann. Der Gedanke sitzt wirklich im ganzen Körper fest.

Andererseits ist es auch sehr aufregend und prickelnd. Beide wollen was von einander und sprechen das recht unverblümt aus. Jedenfalls war es bei uns so. Gerade weil wir wenig zu erzählen hatten, kamen wir schnell auf das Wesentliche zu sprechen. Und wenn man vor einer schönen Frau sitzt, die einem klar macht, dass sie sich ein kleines erotisches Abenteuer vorstellen kann, dann hat das schon einen gewissen Reiz.
 

Es war reiner Sex

Im Wesentlichen verlief dieser Seitensprung auch auf rein sexueller Basis. Wir gingen zwar mal ins Kino oder essen, aber das mündete eigentlich immer in irgendeinem Bett. Mal bei ihr, mal im Hotel, mal auf ihrer Arbeit. Ich holte mir bei ihr das, was ich zuhause von meiner Freundin nicht bekam. Gefühle, nach denen ich auch nie zu fragen wagte. Erfahrungen, die mir spannend vorkamen und die ich erleben wollte. Dafür war mir der Seitensprung gerade recht – zu mehr reichte es zwischen uns nicht.

Rückblickend kann ich sagen, dass die Erfahrungen nützlich waren. Sicherlich wäre ich ohne sie ausgekommen, aber sie brachten einfach neue Eindrücke. Auch das ist schwer zu erklären und jeder wird unterschiedliche Empfindungen nach oder während eines Seitensprunges haben. Aber für mich ergab sich damit ein anderer Blick auf meine Beziehung. Alleine der Umstand, meine Partnerin mit einer anderen Frau vergleichen zu können, ist unbezahlbar. Welche Schlüsse sich dann daraus ergeben, kann man aber vorher nicht wissen. Bei mir ging es gut, genauso hätte unsere Beziehung daran aber auch scheitern können.

Denn ich habe über diese knapp zwei Monate, die die Affäre dauerte, viele Gedanken mit zwei Frauen geteilt. Es war immer ein Versteckspiel, ein kleiner Versprecher im falschen Moment lässt alles auffliegen. Darum war ich glücklich, als das alles vorbei war und ich mich letztmalig mit dem Seitensprung traf. Denn ewig ist das nicht auszuhalten, so prickelnd es kurzfristig auch sein mag. Wer Erfahrungen sucht, dem lege ich einen Seitensprung wirklich ans Herz. Man sollte aber seine Grenzen kennen und nichts tun, was die eigentliche Beziehung gefährden kann.